wohnbau delugstrasse
 

Noblesse ist auch in der Architektur keine Frage der noblen Materialität. Das Apartmentwohnhaus in Döbling - bestehend aus 2-geschossigen Einheiten samt Gartenhaus für zwei Familien - ist in einen luftigen Mantel aus eloxierten Alublechen gehüllt: verglichen mit den umliegenden Kaasgraben-villen ein seltener und leichtfüßiger Glanz. In den Umrissen zeichnet das Gebäude (Stahlbetondecken auf Stahlstützen mit aussteifendem Aufzugsschacht, Wand und Dachelemente in Tafelbauweise) ein schlichtes Abbild der zulässigen baubehördlichen Vorschriften, die einheitliche Außenhaut ohne syntaktischen Bruch zwischen Wand und Decke wirkt wie ein ironischer Kommentar zum Thema 'Ur-Haus', das - wie die Architekten formulieren - als Karikatur wahrgenommen werde. Nachbarschaftliche 'Anteilnahme' an diesem Bauobjekt habe zu völliger Neuplanung geführt - eine jener Nöte offenbar, die sich in Tugenden auflösen.

Dass die homogene Form in gerüsthafter Lockerung aufgeht, zeigt sich einem Aussenstehenden vor allem in der Nachtansicht, die Apartmenthausbewohner selbst gelangen durch die aus dem Baukörper herausgeschnittenen und -gezogenenen Elemente in den Genuss unkonventioneller Raumerlebnisse, die man zweifellos als nobel bezeichnen kann.

(Text: Gabriele Kaiser , Architekturzentrum Wien)

fotos: manfred seidl